
Astrologie als Geschenk
der Götter
Mein astrologisches Weltbild
Gaby Multhammer
Woher kommt die Astrologie?
Die Geschichte, wie astrologisches Wissen zu uns Menschen kam.
Die babylonische Astrologen arbeiteten mit Texten, die gegen 4.500 v.Chr. verfasst oder wenigstens auf diese Zeit zurückdatiert sind. Das war der Beginn der sumerischen Kultur, wie im Kapitel „Die Sumerer – eine rätselhafte Kultur“ beschrieben.
Alle zwölf Tierkreiszeichen waren ihnen mit Namen bekannt. So berichtet jedenfalls der Orientforscher Ernst Friedrich Weidner (1891-1976) im Handbuch der babylonischen Astronomie.
Und Astronomie war klar eine Hilfswissenschaft zur Astrologie. Die astronomischen bzw. astrologischen Begriffe werden in den babylonischen Texten mit Wörtern ausgedrückt, die es in der Sprache der Babylonier (Akkadisch) so nicht gibt. Alles deutet auf Lehnwörter hin, die einer anderen, älteren Sprache, eben dem Sumerischen entspringen.
Um zu präzisen astronomischen Mess-Ergebnissen zu kommen, müssten selbstverständlich jahrhundertelange Beobachtungen des Sternenhimmels vorgenommen werden, so Weidner. Nicht zu vergessen eine präzise Zeitnahme für den Lauf der Planeten.
Hier klingt Weidner für mich naiv, denn das konnten weder die Sumerer noch die späteren Babylonier von sich aus leisten. Ich behaupte, die Göttern lieferten Tafeln mit astronomischen Berechnungen. Derartige Schrifttafeln mit tabellarischen Daten zum Saturn, Jupiter-Positionen bzw. eine Tabelle mit allen Vollmonden eines bestimmten Zeitraums sind beispielsweise zu bestaunen im Pergamon Museum in Berlin.
Die Sumerer mussten also nicht rechnen, messen und beobachten. Hinweise, die das untermauern, fand ich beim US-amerikanischen Sumerologen Samuel Noah Kramer.
Er beschreibt ausführlich die Rolle von zahlreichen Göttern bei der Errichtung der sumerischen Kultur. Die wichtigsten sind der oberste Regent An oder Anu, der in seinem Himmelshaus Ešarra wohnt, und seine zwei Söhne Enlil und Enki (die Babylonier nannten ihn Ea).
Enki kümmerte sich um die Geschäfte in der ersten Kultur auf der Erde. Er ist sozusagen der "Macher", der Gott der Schöpfung, des Süßwassers, der Weisheit und zugleich Schutzherr für Handwerker, Künstler, Magier und Astrologen.
Bereits in sumerischen Texten wird von einer Geheimwissenschaft über Himmel und Erde berichtet. Sie ist nach den ersten Sätzen als Enuma Anu Enlil bekannt:
»Als Anu, Enlil und Ea, die großen Götter, nach ihrem Ratschluß
die Orakel des Himmels und der Erde niedergelegt hatten…«
Das heißt, sie haben die astrologischen Strukturen als Orakel niedergelegt. Die Grundbedeutung von Orakel ist ein Götterspruch, der im Offenbarungsbuch (siehe „Das göttliche Offenbarungsbuch“) aufgeschrieben ist.
Weiter heißt es im Enuma Anu Enlil:
»Da alle Einrichtungen des Staatslebens als Widerspiegelungen himmlischer Erscheinungen gelten, so ist der Kalender, der die Einrichtungen des Lebens nach dem Umlauf der Gestirne reguliert, die wichtigste Staatsakte, Sache der Gesetzgebung.«
Den Satz deute ich so, dass sich das Leben in einem Staat im Umlauf der Planeten widerspiegelt und dabei ganz bestimmten Gesetzen und Strukturen unterliegt. Mit Hilfe der kosmischen Konstellationen konnten die Götter kontrollieren, ob die Anweisungen ihres Ratschlusses auf der Erde umgesetzt werden. Das ist für mich Astrologie und in dieser Form funktioniert sie auch heute noch.
Dieses Wissen sollte den Göttern vorbehalten sein und später einmal auf die Könige übergehen. Aber Enki übergab die astrologischen Kenntnisse an die gesamte Menschheit. Dass die Lehre in die Hände der einfachen Bevölkerung gelangte, war dem obersten Gott Anu ein Dorn im Auge. Er verfügte, dass nur geschulte Personen (Priester) Zugang haben sollten. Sie mussten das Wissen geheim halten und durften es wiederum nur an ihre Söhne weitervererben.
Das war der zweite Paukenschlag. Astrologie war keine Erfindung des Menschen.
Astrologie war ein Geschenk der Götter.
Die Götter lieferten nicht nur das astrologische Wissen, sondern auch vorgefertigte Tafeln mit astronomischen Berechnungen. Es sind wohl die ersten Ephemeriden, eine tabellarischen Zusammenstellung von Gestirnspositionen. Es wird also gar nicht wirklich gerechnet. Die sumerischen und später babylonischen Astrologen mussten nur den entsprechenden Spalten nachschauen. Es existieren explizit Tontafeln mit tabellarischen Daten zum Saturn, Jupiter-Positionen bzw. eine Tabelle mit allen Vollmonden eines bestimmten Zeitraums (zu bestaunen im Pergamon Museum in Berlin).
Damit ist aber noch nicht erklärt, wie wir an die ursprünglichen, astrologischen Deutungstexte kommen. Dazu gibt es ein weiteres Kapitel "Das göttliche Offenbarungsbuch".