Auf der Suche nach den astrologischen Quellen
Bild der Astrologin Gaby Multhammer, die zum Himmel schaut.

Auf der Suche nach
den astrologischen Quellen

Mein astrologisches Weltbild

Gaby Multhammer

Wo genau beginnt die Geschichte der Astrologie?

Zwischen Euphrat und Tigris geht es los.

Wer Astrologie ernsthaft betreiben will, muss sich bis zu einem gewissen Grad mit den Grundlagen und dem ganzen Rüstzeug befassen. Das ist unter Fachleuten unstrittig. Aus meiner Sicht gehört zu den Basics auch die Entstehungsgeschichte der Astrologie.

Also, wo und durch wen hat die Astrologie ihre ersten Schritte gemacht? Diese Frage stellen sich viele Astrologen nur am Rande. Das finde ich schade, weil der geschichtliche Blickwinkel ein kompaktes Gesamtbild und unter Umständen ein besseres Verständnis ermöglicht.

Was man zum Ursprung der Astrologie findet, sind die üblichen Stereotype. Die Anfänge liegen in vorchristlicher Zeit. Also irgendwann, als man die Zeit noch rückwärts bis Null zählte. Geht es etwas präziser? Ja! Sie wurde in Babylon, in Mesopotamien, entwickelt. Das Wort Mesopotamien ist altgriechisch. Übersetzt heißt es „zwischen den Flüssen“, genauer zwischen Euphrat und Tigris, und darum auch Zweistromland.

In historischer Zeit war die größte Ausdehnung Mesopotamiens vergleichbar mit Deutschland. Es erstreckte sich über Teile des Irak, Syrien, Libanon, bis in die heutige Türkei. Im Kartenausschnitt zeigen die grün unterlegten Gebiete die damalige Ausdehnung mit den zahlreichen archäologischen Stätten von unterschiedlichen Kulturen (z.B. Assyrien im Norden mit Ninive und Assur) im Laufe der Geschichte Mesopotamiens.

 

Bild mit einer Karte von Mesopotamien, auf der im Süden das Gebiet Sumer liegt. Dort befindet sich die Wiege der Astrologie.

Baylon in Mesopotamien (rot markiert)

Das historisch bedeutsame Babylonien liegt im heutigen Südirak (gelb markiert) und war ein hoch entwickelter Stadtstaat mit der Hauptstadt Babylon (rot markiert), gelegentlich auch Babel genannt. In der Bibel wird die Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt. Vom einstigen Babylon existieren nur noch antike Ruinen. In einer archäologischen Anlage, rund 90 Kilometer südlich von Bagdad entfernt, können Besucher sie bestaunen.

Gelegentlich wird Mesopotamien pauschal mit Babylon gleichgesetzt. Die Bewohner nannten sich Babylonier oder Chaldäer. Beides stimmt so nicht ganz. Als Chaldäer werden Priester babylonischer Herkunft oder Wahrsager bezeichnet, woraus Magier und Astrologen geworden sind. Aus ihrem Umfeld könnten die drei Weisen aus dem Morgenland stammen. 

Bei Ausgrabungen durch den deutschen Bauforscher Robert Koldewey wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das Ischtar-Tor freigelegt. Es war eines der imposanten Stadttore Babylons und ist mit glasierten Tonziegeln verkleidet. Besucher können den aufwändig rekonstruierten vorderen Teil des Ischtar-Tors im Vorderasiatischen Museum bestaunen.

 

Bild von Robert Koldewey am Schreibtisch, Mann mit Bart und Hemd, der Unterlagen liest.

Robert Koldewey beim Studium von Unterlagen

Zusammen mit meinem Mann schaute ich mir das Ischtar-Tor an. Wir waren beeindruckt. Hier lässt sich der kulturell hohe Stand Babylons erahnen. Das Bauwerk stammt aus einer relativ späten Epoche und wurde von Nebukadnezar II. (605-562 v.Chr.) als Teil einer Prozessionsstraße errichtet. Der König wird in der Bibel als Eroberer Jerusalems geschildert, der den Tempel zerstörte und die Israeliten in babylonische Gefangenschaft deportierte.

 

Bild auf dem das Ischtar-Tor in Berlin zu sehen ist.

Ischtar-Tor im Vorderasiatischen Museum, Berlin

 

Freigelegte Teile der Stadtmauer mit glasierten Relief-Ornamenten und Ausgrabungen am Ishtar-Tor um 1902 unter Einsatz einer Feldbahn.

Die erhoffte umfassende Aufklärung über die Anfänge der Astrologie fanden wir aber nirgendwo. Mehr zufällig kamen wir mit einer Gruppe von Studenten ins Gespräch. Nach einigem Zögern wegen unseres Anliegens, Stichwort Astrologie, wurden sie dann doch noch gesprächig. Wir erfuhren, dass die erste Kultur in Mesopotamien nicht die Babylonier waren, sondern die Sumerer.

Ich gebe zu, dass ich diesen Namen vorher noch nie gehört oder gelesen habe. Vermutlich bin ich nicht die einzige. Das liegt daran, dass es von diesem Sumer wenig originale Artefakte gibt. Was man darüber weiß, entstammt den Überlieferungen späterer Kulturen, eben den Babyloniern.

Aber die Studenten machten uns auf einschlägige Quellen aufmerksam. Es gibt dazu gute Literatur von deutschen Assyriologen, etwa Hugo Winckler, Alfred Jeremias, Erich Ebeling und anderen.

Wenn es um einen fundierten historischen Überblick geht, ist der US-amerikanische Sumerologe Samuel Noah Kramer die erste Wahl. Kramer befasst sich seit den 1920er Jahren mit Keilschrifttexten, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Mesopotamien ausgegraben wurden.

Die Tafeln in Keilschrift liegen jedoch über die halbe Welt verstreut in Museen, überwiegend im Britischen Museum in London, einige in den USA, im Louvre oder in Bagdad. Leider ist erst ein Bruchteil der Tontafeln erforscht und entziffert, ergänzte eine Studentin. Der Rest verstaubt aus Geldmangel in den Kellern der Institute.

Außerdem ließe sich mit den Originalen ohnehin nicht viel anfangen, wenn man die Keilschrift nicht lesen kann. Man sei auf Experten, wie die erwähnten Altorientalisten bzw. Assyriologen, angewiesen. Es gibt nämlich viele Keilschriftsysteme, die sich noch dazu auf mehrere Sprachen in unterschiedlichen Kulturen verteilen. Mittlerweile kann man auf ausreichend Literatur zu dem Thema zurückgreifen und dann wäre da ja noch das World Wide Web.

Zuhause ging ich daran, mir die Literatur zu beschaffen. 

Ich nehme es vorweg: Ich wurde fündig und erfuhr Spannendes über "Sumer - eine rätselhafte Kultur".

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