
Mein Weg zur Astrologie
Gaby Multhammer
Wie kommt man dazu, sich mit Astrologie zu beschäftigen?
Das ist eine gute Frage!
Natürlich gibt es immer eine Geschichte zu erzählen, so auch bei mir. Bereits als pubertierendes Mädchen übte die Thematik eine gewisse Faszination auf mich aus. Verstärkt wurde diese, weil Astrologie in unserem streng christlichen Haus total verpönt war. Ich besorgte mir in einem Buchladen mit Hilfe einer Freundin ein Exemplar über „Sternzeichen“ und versteckte es im Buchregal hinter dem Großen Brockhaus. Der stand dort eigentlich nur zur Dekoration. Darum war der Platz sicher.
Gebracht haben die erzieherischen Zwänge defacto nichts. Mit 23 bin ich dann doch spät, aber endgültig durchgebrannt und habe den Bruch mit der Enge der Heimat definitiv vollzogen. Ein paar Jahre später bestätigt mir ein Astrologe, dass der Schritt der einzig richtige war. Denn er ist als eine meiner Lebensaufgaben im Horoskop ablesbar. Meine Schütze-Sonne und der Wassermann-Mond im Quadrat zu Uranus sehnen sich nach Freiheit.
Wichtige Begegnung während des Studiums
Zur ernsthaften Beschäftigung mit Astrologie kam ich erst viel später auf Umwegen über meinen Mann. Wir begannen beide unser Studium im selben Jahrgang, ohne voneinander zu wissen. Als er mich zum ersten Mal in seine Studentenbude eingeladen hatte, staunte ich nicht schlecht. Überall, wo Platz war, standen haufenweise Bücher. Dabei stach mir eine Reihe mit astrologischen Titeln ins Auge.
„Beschäftigst du dich mit Astrologie?“ Die Frage sprudelte aus mir heraus ohne zu überlegen. Ebenso prompt kam die Antwort:
„Nein!“
„Aber die vielen Bücher, das sind doch über fünfundzwanzig Stück, wenn ich richtig gezählt habe.“
„Tja, das ist tatsächlich eine sehr merkwürdige Sache,“ erwiderte er und begann nach kurzem Überlegen zu erzählen. Ich möchte seine Geschichte etwas ausführlicher schildern, weil sie genau diejenigen Stolperfallen aufzeigt, die für viele von uns symptomatisch sind.
Mein Mann war, gemäß dem Wunsch seines Vaters, einem gelernten Banker, in einer Regionalbank angestellt, dort aber todunglücklich. Passend für einen kreativen Fische-Geborenen, wollte er eigentlich Kunst studieren. Dann kam ein Ereignis, das er heute als Fingerzeig bezeichnet, den er damals leider nicht verstand. Es war im Sommer 1984, als eine Kollegin mit einem Überweisungsträger zu ihm kam. Im Verwendungszweck stand knapp der Vermerk:
„Für astrologische Bemühungen!“
Die Kollegin schwankte zwischen belustigt, irritiert und entsetzt. Wer überweist für so einen Quatsch Geld? Bei meinem Mann verursachte es dagegen Neugierde, sich die Sache genauer anzuschauen. Warum geht jemand zum Astrologen und bittet ihn um Rat – und zahlt dafür? Es dauerte nicht lange und er stand selbst bei dem Sterndeuter auf der Matte. Beide kannten sich nicht und hatten vorher nie etwas miteinander zu schaffen.
Der Astrologe wirkte vertrauensvoll und schien zu wissen wovon er sprach. Er war Lehrer an der örtlichen Hauptschule, wie sich herausstellte, bei Eltern und Schülern sehr beliebt. Natürlich hatte er, so nebenbei bemerkt, von vielen seiner Zöglinge ein Geburtshoroskop erstellt. Damit kannte er die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen und konnte auf jedes der Kinder subtil eingehen.
Mein Mann ließ sich selbst ein Horoskop erstellen. Fünfundzwanzig Seiten mit Schreibmaschine getippt und fast keine Fehler. Das machte Eindruck und schürte Hoffnungen. Aber diese wurden schon bald enttäuscht. Er hatte sich mehr erhofft, viel mehr. Die Gedanken gingen in Richtung Offenbarung, wann denn endlich die Ereignisse kämen, die seinem Leben die gewünschten Wendungen bringen. Leider ist das bei vielen Menschen, die um astrologischen Rat bitten, ein zentraler Schwachpunkt. Sie glauben, ein „Orakel“ zu befragen, das den Problemlöser wie einen Schlüssel frei Haus liefert. Das Horoskop wurde von meinem Mann nicht akzeptiert und achtlos beiseitegelegt.
Es war irgendwann in 1994, der Bank-Job war längst Geschichte, als er sein Horoskop eher zufällig aus seinem Schlummer hervorholte. Mein Mann hatte mittlerweile eine Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer gemacht. Nebenbei widmete er sich der Malerei und fing an Reiseberichte zu schreiben. Er stutzte, weil er den Inhalt des Horoskops ganz vergessen hatte. Je weiter er im Text vorwärts kam, umso mehr staunte er über die Formulierungen, mit denen er damals gar nichts anfangen konnte. Dort stand, dass er sich aus dem familiären Umfeld lösen müsste, um „völlig unabhängig zu werden“ – Saturn im 4. Haus. Diese Abgrenzung war für ihn tatsächlich der erste Schritt hin zur eigenen Identität, zur Selbstbestimmung, weg von Abhängigkeit und Bevormundung.
Der Astrologe hatte ihn fast perfekt analysiert. Er schrieb über seine Talente, seine Stärken und Schwächen, einschließlich seiner künstlerischen und schriftstellerischen Fähigkeiten. Sogar der Drang, immer alles ganz genau wissen zu wollen, war ein Thema im Horoskop – vier Planeten einschließlich Sonne im 8. Haus. Wie geht das? Wieso kennt ein Fremder einen Menschen besser als er sich selbst? Genau deshalb wollte mein Mann herausfinden, warum Astrologie funktioniert und woher das ganze Wissen dazu kommt. So kam es zum Kauf der Astrologie-Bücher. Er fand darin nicht, wonach er gesucht hatte, aber ich könne gerne selbst schauen, ob ich damit was anfangen kann.
Plötzlich hatte ich mein Herzensthema gefunden
Er drückte mir das Buch Schlüsselworte zur Astrologie von Hajo Banzhaf und Anna Haebler in die Hand. Mein Interesse weckte jedoch ein dicker Schinken ganz links im Regal: Parkers‘ Astrology – The definitive guide to using astrology in every aspect of your life – First Edition 1991. Ich war wie elektrisiert und habe es fast verschlungen. Das war die eigentliche Initialzündung. Es folgten zahlreiche weitere Bücher und Kurse bis hin zum sehr erfolgreichen Abschluss eines Meisterkurses. Letztlich kamen wir dem Geheimnis auch noch auf die Spur. Dazu an anderer Stelle mehr…