Sumer - eine rätselhafte Kultur
Bild der Astrologin Gaby Multhammer, die zum Himmel blickt

Sumer - 
eine rätselhafte Kultur

Mein astrologisches Weltbild

Gaby Multhammer

Der Beginn unserer Geschichte.

Zwischen Euphrat und Tigris fing alles an.

Um mehr über dieses Mesopotamien und die Wiege der Astrologie zu erfahren, suchte ich in unserer Unibibliothek nach einschlägiger Literatur. Das Angebot war umfangreicher und vor allem anspruchsvoller als ich dachte. Ich besorgte mir die wichtigsten Bücher für den persönlichen Handbestand, einschließlich der vierzehn Bände Reallexikon der Assyriologie.

Die Essenz aus dem Bücherstudium ergab folgendes: Es existierte ab ca. 2.300 v.Chr., das ist gut dokumentiert, das frühbabylonische Reich mit der Stadt Babylon, auch Babel genannt, im Süden Mesopotamiens. Es reichte bis in das Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris im Persischen Golf. Bei Ausgrabungen stellten die Archäologen verblüfft fest, dass es eine noch ältere Kultur vor den Babyloniern gab. Sie nannte sich Sumer.

Die Geschichte, unsere Geschichte, beginnt mit der Kultur in Sumer, sagt US-Amerikaner Samuel Kramer. Sie ist die älteste bekannte Zivilisation (Samuel Kramer, History Begins at Sumer).

Ihr Beginn wird in der Zeit zwischen 4.500 bis 3.500 v.Chr. vermutet. Leider gibt es zu Sumer wenige originale Keilschrift-Tafeln. Es existieren jedoch viele Abschriften und Kopien der sumerischen Ur-Texte. Das ist aufgrund der unterschiedlichen Sprachen gut dokumentiert. Schnell wurde klar, dass die kulturellen Errungenschaften, worauf Babylon so stolz ist, auf diese frühere Kultur Sumers zurück gehen. Neben Ackerbau, Bewässerung, Verwaltung usw. zählen Kalenderwissen, „Mathematik“, Astronomie und vor allem Astrologie dazu. Das war für mich der erste Paukenschlag:

Nicht Babylon ist die Wiege der Astrologie, sondern Sumer!

Was weiß man über Sumer?

Kramer beschreibt das Land als wenig einladend. Es besteht zum größten Teil aus Schwemmland der beiden Flüsse Euphrat und Tigris. Das Klima ist heiß und trocken. Es gibt keine Erze und kaum Stein oder Holz für Bauzwecke, der Boden ist ohne Bearbeitung dürr und unfruchtbar.

»Es ist ein täglicher Kampf ums Dasein.«
(Samuel Kramer, History Begins at Sumer)

In dieses Gebiet wandert kein vernünftiger Mensch ein, schon gar nicht freiwillig. Es sieht vielmehr so aus, als wären die Sumerer vom Himmel gefallen. Sie sprechen eine unbekannte Sprache, die mit keiner anderen verwandt ist. Alles existierte urplötzlich, wie aus dem Boden gestampft.

Die Sumerer sagen, [dass] … all dies mehr oder weniger immer schon so war, und zwar von Anbeginn der Tage, das heißt von dem Moment an, als die Götter es so planten und anordneten.

Die historischen Ereignisse waren für den Sumerer ein…

»...coming ready-made and full-grown and full-blown on the world scene...,«
(Samuel Kramer, History Begins at Sumer)

…vollendetes Geschehen. Das heißt, die Dinge traten fix und fertig, voll entwickelt und in höchster Blüte auf die Weltbühne.

Dazu gehörten die Häuser, Verwaltungseinrichtungen, Scheunen, Straßen, Felder, Bewässerungsanlagen, Gerätschaften, das Vieh und insbesondere das Saatgut. Unsere Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste, Hirse, Rosengewächse, dazu Birnen, Trauben, Pflaumen usw., wurden dort schon angebaut.

Sumer war ein gut organisierter Agrarstaat mit einer bestens funktionierenden Verwaltung.

Und nein, die Sumerer waren nicht die Erfinder der Schrift. Die Götter geben das System vor und bestimmen, wer den Beruf eines Schreibers ausführen sollte. Die Söhne beerbten ihre Väter, weil die Götter es so wollten, wie Kramer schildert.

 

Eigener Versuch, Tontafeln herzustellen.

 

Der erste Bauer war also kein sesshaft gewordener Jäger und Sammler. Er wurde wie alles obige von den Göttern erschaffen.

Im Enuma eliš heißt es dazu:

»Erschaffen will ich ein Wesen, den Menschen.
Ihm auferlegt sei der Dienst der Götter zu ihrer Erleichterung.«
(Enuma eliš, Babylonischer Schöpfungsmythos) 

Das machen keine Außerirdischen à la Erich von Däniken, die angeblich von fernen Galaxien aus die Erde besuchten und ihre Spuren in Megalith-Bauten hinterließen.

Bei Alfred Jeremias wird »Der Mensch als „Bild der Gottheit“ …« bezeichnet. Er ist einem Alien mit großem Kopf und Insektenaugen sicher nicht ähnlich.

Samuel Kramer gab kurz vor seinem Tod ein Interview, in dem er den Verdacht äußerte, dass seine Übersetzungen vom Sinn her fasch sein könnten. Die Texte drücken unter Umständen nicht das aus, was er sechzig Jahren zuvor darin zu erkennen glaubte.

Es ist nicht klar, ob die Sumerer ihre Götter als tatsächliche Wesenheiten begriffen. Denkbar wäre, dass Götter eher eine bewusste Kraft darstellen, während der Mensch ein Unbewusster ist. Damit wäre das gesamte Szenario in Sumer mehr einer geistig-spirituellen Ebene zuzuordnen als einer physisch-materiellen.

Die Götter schufen den ersten Bauerstaat wie von Geisterhand in einer unwirtlichen Landschaft. Sie sind im Grunde Kulturbringer, wirken menschlich und verschwinden nach getaner Arbeit spurlos. Es wirkt wie ein Versuchsmodell nach einem „göttlichen“ Plan:

»Der Wille der Gottheit tut sich in den Kreislauferscheinungen kund…
Alles irdische Sein und Geschehen entspricht einem himmlischen Sein und Geschehen. …«
(Alfred Jeremias, Handbuch der altorientalischen Geisteskultur)

Je mehr ich über die Geschichte nachdenke, umso surrealer wirkt das Szenario auf mich. Mit den fortschreitenden Fähigkeiten der Künstlichen Intelligenz in der Luftepoche im Wassermann-Zeitalter, erscheint das sumerische Weltenbild in einem anderen, sehr modernen Licht.

Unwillkürlich muss ich an das Computerspiel „Forge of Empires“ denken. Es geht, ähnlich wie in Sumer, um die Gründung und Entwicklung einer historischen Kultur, aus einfachsten Anfängen. Dabei durchlaufe ich als Spieler verschiedene Level nach einem festgelegten Ablaufplan.

Die im astrologischen Verständnis der Sumerer beschriebenen Planetenzyklen erinnern mich somit an Computerprogramme, die diese Abläufe (Zyklen) steuern. Die Analogie mag gewagt erscheinen und ist auch wiederum gar nicht so weit entfernt:

Im Jahr 2022 inszenierte die schwedische Band ABBA eine virtuelle Show. Dabei ließen die Programmierer anstelle der realen Bandmitglieder täuschend echte, holographische Figuren nach einem festgelegten Plan auf der Bühne tanzen und singen. Ich bin überzeugt, dass man die Protagonisten in absehbarer Zeit auch anfassen kann. Damit wirken sie so menschlich real wie wir.

Im nächsten Kapitel geht es darum, wie dieses Götterwissen, das wir Astrologie nennen, zu uns Menschen kam.

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