Mein astrologisches Weltbild und das göttliche Offenbarungsbuch
Bild der Astrologin Gaby Multhammer, die zum Himmel blickt

Das göttliche Offenbarungsbuch

Mein astrologisches Weltbild

Gaby Multhammer

Der himmlische Lebensauftrag.

Erkenntnisreiche Einblicke.

Der sumerische Ursprung des Tierkreises ist unstrittig. Alle Namen der Tierkreisbilder sind sumerisch. Im alten Sumer galt der Himmel mit dem Tierkreis einschließlich der Planeten als Offenbarungsbuch der „Götter“. Es war das Buch schlechthin und die Sterne galten als Himmelsschrift.

In diesem Buch steht alles geschrieben, vom Lebensplan bis zu seiner Erfüllung. Jeder Gedanke, jede Handlung wird im Laufe des Lebens dort eingetragen. Nichts geht verloren. Jeder Mensch hat über seine Geburtsdaten eine eigene Kennung, seine Identität. Daraus folgt:

»Die Himmelskunde ist die Quelle allen Erkennens.«
(Alfred Jeremias, Handbuch der altorientalischen Geisteskultur, 1913)

Der Spruch „In den Sternen steht’s geschrieben!“ war kein trivialer Witz, wie heutzutage, sondern eine ehrfürchtige Grundüberzeugung der Sumerer an einen göttlichen Plan.

Es wäre ein kindlicher Gedanke, sich das „Buch der Offenbarung von Planeten und Tierkreis“ als physischen Folianten vorzustellen, den man beim Lesen auf den Knien abstützt. Das sumerische Wort für Tierkreis AN.TIR.AN.NA bedeutet so viel wie Himmelswohnung, aber auch Götterweg. Es ist immer schwierig in einer fremden Sprache die richtige Bedeutung für das Wort zu finden. Oft geht das nur über den Sinnzusammenhang. Der „Götterweg“ hat mich jedenfalls inspiriert.

Ich begreife Astrologie nämlich nicht als Leitfaden zur bequemen Lebensbewältigung, sondern als, meinetwegen „göttlichen“ Lebensauftrag. Horoskope liefern für mich auch keine täglichen Gebrauchsanleitungen zur Problemlösung. Es geht vielmehr darum, die wahren Probleme in den jeweiligen Lebensabschnitten erst einmal zu erkennen. Dann kann ich mir im Horoskop meine Anlagen und Talente ablesen, mit denen ich die Aufgaben eigenständig(!) bewältige.

Im Horoskop steht also nur der Götterweg, d.h. was zu machen ist. Wie ich ihn gehe, die Arbeit dabei erledige, um das gewünschte Ziel zu erreichen, steht da nicht drin. Das liegt ausschließlich in der Verantwortung des Fragestellers. Das Wie mache ich das?, ist die Krux im Leben, um die sich viele drücken wollen und auf Dauer scheitern. Für mich gibt das Geburtshoroskop nur Auskunft über die Grunddispositionen eines jeden einzelnen Menschen. Dabei gilt, was der deutsche Psychologe Jens Asendorpf postuliert: 

Keiner wie der andere!!!

Beispiele:

  • Mit der Sonne in einem bestimmten Zeichen ist unser Wesenskern angelegt. Im Haus der Sonne ist unser Potential zur persönlichen Entfaltung angelegt. Hier findet man seine tiefste Befriedigung.
     
  • Der Mond zeigt die Gemütsstimmung, die intuitiv zum Haus des Mondes strebt.
     
  • Der Merkur im jeweiligen Zeichen gibt die Art des Denkens vor, was er gerne im Merkur-Haus zeigt.

Auf diese Weise steuern alle weiteren Planeten bis zum Pluto ihren jeweiligen Beitrag – unter Berücksichtigung ihrer Zeichen- und Häuserstellung - bei. 

Weder die Zeichen, noch die einzelnen Planeten sind irgendwelche Wesen, helfende oder störende Kräfte, die uns von außen beeinflussen, geneigt machen oder gar zu etwas zwingen. In den älteren Kulturen war das zyklische Zeitverständnis allgegenwärtig. Man sprach vom Kreislauf im Kosmos, der seine Entsprechung auf der Erde hat (vgl. Alfred Jeremias).

Das ist für mich das beste Beispiel einer kosmischen Uhr für die Planetenbewegungen. Planeten liefern wie die Zeiger einer Uhr nur Hinweise auf eine astrologische Situation oder Konstellation. Aber sie, die Zeiger(!), bewirken nichts und haben auch keine Macht. Wer in der Astrologie eine Herrschaft der Gestirne über die Menschheit sieht, schiebt die eigene Verantwortung auf eine anonyme Ebene.

Planeten sind für mich nur Hinweise auf meine subjektiven Helfer in mir selbst. Sie repräsentieren die Summe meiner Talente, Fähigkeiten aber auch meine Herausforderungen. Mit diesen Talenten sollte jeder Mensch seinen Alltag über die Lebensspanne, erkennbar an den Transiten, bewältigen.

Ich sage „jeder sollte“, denn viele Menschen vergeuden ihre Talente, weil sie diese gar nicht kennen. Andere verpassen den Lebensplan, weil sie sich ein Wunschleben zusammenträumen. Wer Musiker werden will, aber kein Talent hat, wird wahrscheinlich scheitern. Das Leben ist weder ein Wunschkonzert noch ein Selbstbedienungsladen.

»Da die altorientalische Lehre von der „Offenbarung“ den Zweck hat, die gesamten Erscheinungen der Welt als Ausfluß des gesetzlichen Waltens der Gottheit zu erweisen, so muß aus den Bewegungen und Stellungen der Gestirne der Wille und das Tun der Gottheit erkannt werden.«
(Alfred Jeremias, Handbuch der altorientalischen Geisteskultur, 1913)

Also: Der Wille und das Tun der Gottheit muss erkannt werden. Die Lebenskunst besteht darin, den „göttlichen“ Plan mithilfe der Talente zu erfüllen und dabei die Höhen und Tiefen möglichst in der Balance zu halten. Das Leben will uns nichts Böses. Wer das verstanden hat, weiß dass er selbst sein Schicksal in der Hand hat. Er ist frei und aufgeklärt und nicht mehr so leicht manipulierbar. 

Dann braucht man keinen Jupiter um Hilfe bitten und keinen Saturn als Rächer fürchten. Das bin ich alles selber – und auch nicht Neptun, der angeblich immer unangesagt um die Ecke kommt und wieder einmal alles vernebelt (Beitrag einer YouTuberin).

Gemeint war hier wohl der Transit-Neptun. Der transitierende Neptun ist nur ein Hinweis, dass zu einer bestimmten Zeit ein bestimmter Lebensbereich nach neptunischen Prinzipien angeregt wird. Solche Lebensphasen können natürlich verwirren, wenn die Betreffenden sie nicht verstehen. Es wäre eine verkürzte und falsche Deutung, die Ursache oder gar Schuld beim Neptun zu suchen, statt es geschehen zu lassen, im Vertrauen auf die tragenden Kräfte des Universums.

Aber warum tun sich die Menschen so schwer mit der Lebenskunst und dem „göttlichen“ Plan? Weil ihnen ein Sachverhalt nicht offenbart wird: Beim Philosophen Porphyrios (3. Jh. nach Chr.) gibt es dazu ein interessantes Statement:

»Und wie die Götter, so schauen ... die Seelen der zukünftigen Tiere und Menschen in den Sternbildern die Horoskope und Lebensarten, welche durch die Aspekte vorgezeichnet sind.

Sie lesen die Lose, die wie auf einer Tafel in der Himmelserde eingetragen sind, und müssen, nachdem sie eines der Lose für ihr künftiges Leben gewählt haben, das Geschriebene unerbittlich vollenden.«
(Boll-Bezold, Sternglaube und Sterndeutung) 

KI-generiertes und überarbeitetes Bild einer Seele, die auf die Sternenhimmel schaut.

Meine Vorstellung, wie die Seele ihr Horoskop vor der Geburt schaut (KI-generiertes und überarbeitetes Bild).

Um die Seele zu begreifen, müssen wir uns anschauen, was eine Seele eigentlich ist. Das ist gar nicht so trivial. Im nächsten Kapitel geht es daher um "Die Seele als Vermittlerin".

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